Das Sozialfestival erforschen

Das Sozialfestival Tu was, dann tut sich was. wird inhaltlich-wissenschaftlich begleitet. Auf inhaltlicher Ebene werden Abläufe, Reichweite und Akzeptanz in der Region mit dem Ziel evaluiert, das Sozialfestivalkonzept anzupassen und weiter zu entwickeln.

Wissenschaftlich untersucht wird, ob sich durch die aktive Einbindung der lokalen Bevölkerung Probleme, die in einer Region bestehen, lösen lassen. Ebenfalls wird nachgeforscht, wie Probleme gelöst werden.

Der Sozialatlas

So wie das Sozialfestival Tu was, dann tut sich was. etwas Neues ist, ist auch das Konzept und der Begriff eines Sozialatlas zunächst ungewohnt. Ein Atlas wird im Duden als eine Sammlung von Bildtafeln aus einem Wissensgebiet in Buchform beschrieben. Für den Sozialatlas heißt das, dass sich Forscherinnen im Laufe der vergangenen beiden Jahre mit der Idee von Tu was, dann tut sich was. und den vielen Projekteinreichungen befasst haben, die Ideen gesammelt, systematisiert und gut verständlich aufbereitet haben. Der Sozialatlas ist damit ein Buch, das mit vielen Fotos und einer kurzweiligen Dokumentation einen Rückblick auf das erste Sozialfestivaljahr im Lungau bietet.

Wenn Sie Interesse an dem Sozialatlas Lungau haben, wenden Sie sich bitte an das Festivalbüro in Salzburg. Der Sozialatlas Steirische Eisenstraße wird im Herbst 2013 erscheinen.

Zugänge

Die konkreten Fragen, die sich die Forscherinnen Isabell Gstach (ifz) und Elisabeth Kapferer (ZEA) stellen, sind:

  1. Welches Wissen bzw. welche Vorstellung zur Situation in der Region hat die Bevölkerung?
  2. Wie stark sind die Menschen mit der Region verbunden? Fühlen sich die Menschen integriert?
  3. Fühlt sich Bevölkerung für die Region verantwortlich? Inwiefern sind die Menschen motiviert, etwas für die Zukunft ihrer Region zu unternehmen (für die Umwelt, für das Zusammenleben usw.)
  4. Kann das Sozialfestival hier eine Motivation sein? Ist das Sozialfestival eine Möglichkeit, die Situation in einer Region zu verbessern?
  5. Welche Netzwerke werden durch das Sozialfestival erreicht und wie verändern sich diese? 

Tu was, dann tut sich was. wird fächerübergreifend erforscht:

Die Sozialgeographie betrachtet, inwiefern das Sozialfestival regionale Identität beeinflusst und damit zu einer Entwicklung in der Region beitragen kann. Untersuchungsmethode ist eine qualitative soziale Netzwerkanalyse, bei der die Beziehungen und Kontakte von Menschen in einem bestimmten Umfeld oder in Zusammenhang mit einem Thema untersucht werden.

Die Armutsforschung setzt sich mit Benachteiligung und Ausgrenzung auseinander und untersucht, ob und wie das Sozialfestival zu einem guten Leben beitragen kann. Die Anträge für die Projekte werden aufmerksam gelesen und analysiert. Was muss/kann/soll sich in der Festivalregion tun? Welche Probleme und welche Themen sehen die Menschen, und was kann ihrer Meinung nach zu einer Verbesserung der Situation beitragen? 

Forschung im Lungau

Im Lungau, der ersten Festivalregion, wurden 120 Projektanträge inhaltlich ausgewertet.Die Abbildung zeigt, dass die Projekteinreicher die wichtigen Themen der Region und den Handlungsbedarf vorwiegend in den Bereichen Gemeinschaft, Regionalbewusstsein, Jugendliche sowie Armut, Ausgrenzung und Begegnung sehen.

Die soziale Netzwerkanalyse soll zeigen welche Gruppen und Personen in der Region durch das Sozialfestival erreicht werden und wie diese vernetzt sind. Die Abbildung zeigt die wesentliche Rolle zentraler Personen im Vernetzungsprozess. Die Netzwerke nach jedem Projektcall bilden die Entwicklung in der Vernetzung deutlich ab und stellen so die Wirkung des Festivals auf der interpersonellen Ebene dar. Eines der Ziele des Sozialfestivals, die Stärkung regionaler Strukturen und Vernetzung von kreativen Potential, wurde demnach erreicht. 

Ergebnisse der Forschung im Lungau:

application/pdf Auswertung der Telefoninterviews.pdf (1,9 MB)

application/pdf Lungau_Soziale_Netzwerke.pdf (1,9 MB)

application/pdf Was sich im Lungau tun soll.pdf (1,4 MB)

Forschung in der Steirischen Eisenstraße

Erster Schritt der wissenschaftlichen Begleitung des Sozialfestivals aus
Perspektive der Armutsforschung ist die Analyse der Projektanträge, die bei den drei
Jurysitzungen vorgelegt wurden.

  •  Ausgangspunkt: alle eingereichten Projektanträge werden gelesen als Antwort auf die Fragestellung: Was sind die Themen, bei denen Handlungsbedarf besteht? Was sind die Lebensbereiche, in denen sich etwas tun soll und etwas getan werden muss? und weiter: Was konkret soll sich tun in der Eisenstraße?
  • Vorgehensweise: die Projektanträge wurden im Volltext gelesen und ausgewertet. Dann wurden die Themen, die aus diesen Texten gefiltert werden konnten, in Kategorien zusammengefasst; 

Überblick erste Ergebnisse:

  • Insgesamt haben die 96 Projektanträge, die ausgewertet wurden, 79 Themen im Sinne der erhobenen Kategorien angesprochen.
  • Jedes Projekt hat dabei mehrere Themen angesprochen: kleinere etwa drei oder vier, umfangreichere Projekte auch bis zu 15 und mehr Themen (die umfangreichsten Projekte bis zu 18).
  • Insgesamt kommt es in den knapp 100 Projektanträgen auf 800 thematische Nennungen.

In der Erhebung des Tu was, dann tut sich was. Netzwerkes für die Region Steirische Eisenstraße wurden relationale Merkmale auf individueller Ebene, also die Beziehungen zwischen den Akteuren, erhoben.Beziehungen (auch Relationen genannt) werden in Inhalt und Intensität unterschieden. Der Inhalt der Beziehung bezieht sich auf die Kommunikation, Mitgliedschaften, Gefühls oder Machtbeziehungen etc. und die Intensität bezieht sich auf die Häufigkeit und das Ausmaß einer Beziehung. Bei den Telefoninterviews ist vor allem nach der Intensität zwischen den einzelnen Akteuren gefragt worden, das heißt wie viel Kontakt untereinander im Rahmen des Sozialfestivals bestand oder besteht. Die Frage, ob man die genannten Personen bereits vor dem Sozialfestival gekannt hat, stellt den Inhalt der Analyse dar. Die Abbildung zeigt das Netzwerk nach den ersten beiden Juryentscheidungen, inklusive der Kontakte zu Jury und Regionalbüro. 

Ergebnisse der Forschung in der Steirischen Eisenstraße

application/pdf Bericht_Armutsforschung_Eisenstrasse.pdf (780,3 kB)

application/pdf Eisenstrasse_Soziale_Netzwerke.pdf (1,7 MB)